Kontakt-Tagung „Sozialwissenschaft und Pastoral“ 6.-7. September 2011 in Mainz
Tagung der Arbeitsstelle mit Ansprechpartner/innen der Bistümer für milieusensible Pastoral in Mainz
Eine sich immer stärker differenzierende Gesellschaft erfordert neue Blickwinkel, um die Seelsorge der Kirche in adäquater Weise zu ermöglichen. Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse spielen dabei eine zentrale Rolle. Auf Einladung der Arbeitsstelle KAMP trafen sich Anfang September in Mainz Verantwortliche aus den deutschen Bistümern, die mit Instrumenten empirischer Sozialforschung zur Planung und Gestaltung der Pastoral arbeiten. In unterschiedlicher Weise wurde in den Bistümern beispielsweise die Kirchenstudie in Anlehnung an die Milieus des Meinungsforschungsinstituts SINUS Sociovision von 2005 rezipiert.
In vielen deutschen Diözesen - dies zeigte sich im Laufe der Tagung
- werden die Erkenntnisse unter anderem bei der Erstellung von
Pastoralplänen für die neuen größer gewordenen Seelsorgeterritorien
genutzt. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit und in der
Personalentwicklung in Gremien, Verbänden und Einrichtungen spielen die
Milieuerkenntnisse eine wichtige Rolle. Neben dem Blick auf
gesellschaftliche Milieus führen auch Sozialraumanalysen zu einer
lebensraumorientierten oder milieusensiblen Pastoral. Einige Bistümer
stehen sozialwissenschaftlichen Analysen jedoch indifferent bis
skeptisch gegenüber. Auf der Tagung wurde jedenfalls deutlich: Wenn die
Kirche mit ihrer Seelsorge nicht nur eine Minderheit ansprechen will,
muss sie sich deutlicher als bisher mit den Lebensgrundlagen der
Menschen beschäftigen, die über empirische Studien erhoben werden.
Insofern ist die Beschäftigung mit sozialwissenschaftlichen
Erkenntnissen kein Luxus, sondern für eine missionarische Kirche die
Voraussetzung, den christlichen Glauben mit unterschiedlichen Menschen
zu kommunizieren und in der Auseinandersetzung mit deren Hoffnungen und
Sehnsüchten dem Evangelium erneuerte Gestalt zu geben. Es zeigte sich
aber auch, dass die Sozialwissenschaft die Theologie nicht ersetzen
kann. Dem Übersetzen in konkrete Handlungsoptionen muss immer eine
pastoraltheologische Reflexion zugrundeliegen.


