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2012/2 vom 9.2.2012

Fachtagung der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Erwachsenenkatechese

Bericht von Markus-Liborius Hermann

Am 9.2.2012 fand im „Haus am Dom“ in Frankfurt eine Fachtagung der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz unter dem Leitwort „Erwachsenenkatechese und ihre Bedeutung für die Gemeinde“ statt, zu der die Seelsorgeamtsleiter und Katechesereferenten der Diözesen, Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, des Deutschen Katecheten-Vereins, der Orden und der Wissenschaft eingeladen waren. Rund 70 Teilnehmer diskutierten über Wege der Glaubenssuche und Glaubenskommunikation. Dabei ging es um eine Vernetzung der verschiedenen Aktivitäten im Bereich der Erwachsenenkatechese und Glaubenskurse für Erwachsene sowie um die Darstellung von deutlichen Perspektiven für die Gemeindeentwicklung.

Für Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, machen die „Veränderungsprozesse, denen die Kirche und unsere Gesellschaft unterliegt, … ein vertieftes Nachdenken notwendig, wie Glauben heute angeeignet und weitergegeben wird.“ Weiter erläuterte Bischof Bode: „Christen wollen und sollen in ihrem Glauben erwachsen werden. Sie wollen sprach- und auskunftsfähig sein. Die heutige Diskussion und die vielen Initiativen in den Bistümern machen deutlich, dass das Thema aktuell ist“. Viele Kinder und Jugendliche gingen zur Erstkommunion und empfingen das Sakrament der Firmung. Mit großem Engagement erfolge die Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente durch Katechetinnen und Katecheten. Bischof Bode: „Diese Wegbegleitung ist wichtig. Aber wir müssen verstärkt weiterfragen: Was kommt danach? Wohin führt der Weg?“ Erwachsene setzten sich mit Fragen des christlichen Glaubens auseinander und wollten ihn als Erwachsene verstehen. „Der Glaube bleibt nur lebendig, wenn er die eigenen Lebenserfahrungen durchdringt, – wenn er sich in Krisen und durch Brüche hindurch bewährt oder Anfragen stellen kann.“

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst; Bischof Dr. Franz-Josef Bode

Einen grundlegenden und einführenden Impuls zur „Erwachsenenkatechese als Glaubenskommunikation“ präsentierte Dr. Thomas Kiefer, Speyer. Kiefer begann seine Bestandsaufnahme mit einem Aufruf zur Bescheidenheit, da trotz erheblicher Erfahrungen aus den letzten 50 Jahren v.a. im Bereich der Elternkatechese, des Erwachsenenkatechumenats und der Glaubenskurse, die Erwachsenenkatechese insgesamt sich „bis heute nicht in unserer Seelsorge etabliert hat“. Vielmehr würden einerseits die Katechese zumeist auf Kinder-/ Jugendsakramentenkatechese reduziert und andererseits viele Erwachsenentaufen ohne einen echten Katechumenatsweg realisiert. Daraus schlussfolgert Kiefer die Notwendigkeit einer pastoralen Richtungsänderung, die auch offen beschreibt, was im Gegenzug für eine Konzentration auf die Erwachsenenkatechese an pastoralen Aktivitäten verringert werden kann. Als Schlagwort diente ihm dafür im Anschluss an H. Kochanek der Abschied von einer „kaum noch aufrecht zu erhaltenden Erfassungspastoral“.
Grundsätzlich zeigen sich so vier Formen von Erwachsenenkatechese: eine initiatorische, eine glaubenserneuernde, eine vertiefende und eine qualifizierende Katechese. Damit richtet sie sich nach außen (missionarische Dimension) und nach innen (im Sinne der Erneuerung und Vertiefung). Erwachsenenkatechese ist „Teil eines ganzheitlichen Glaubenswachstumsprozesses“, der entweder „als Einführung in den Glauben und die christliche Lebenspraxis oder als Vertiefung oder als Vergewisserung“ erfolgt (M. Scheidler).
Im Anschluss an die Begriffsbestimmungen artikulierte Kiefer anstehende Herausforderungen und Zugänge. Grundsätzlich sollte dem Evangelisierungs- und Modernisierungsparadigma mit der von den französischen Bischöfen formulierten Haltung des Proposer la foi, also durch ein Vorschlagen des Glaubens begegnet werden, was für Erwachsenenkatechese bedeute, sich auf die Seite der Katechumenen zu stellen und zum Dialog über den Glauben einzuladen. Dies fordert natürlich auch den „Jünger“, denjenigen, der Zeugnis gibt in besonderer Weise: „Ohne Hingabe keine Weitergabe.“ Eben dieses Zeugnis muss zugleich als „vernünftige Glaubenskommunikation“ gestaltet werden, als eine „Neuevangelisierung mit Hilfe der Vernunft“ (H.-B. Gerl-Falkovitz). Darüber hinaus benötige die differenzierte Gesellschaft neue und differenzierte Räume für Erwachsenenkatechese, denn: „Niemand interessiert sich für einen Glauben, der an den Erfahrungen seines Lebens vorbeigeht, seine Lebenssituation, seine Freude und Hoffnung, seine Trauer und Ängste nicht ernst nimmt“ (Bischof F.-J. Bode). Erwachsenenkatechese ist daher eine Form von Glaubenskommunikation, die eine „religiöse Auskunftsfähigkeit“ und eine „religiöse Zeugnisfähigkeit“ (M. Scheidler) voraussetzt und die von dem bischöflichen Schreiben „Katechese in veränderter Zeit“ definierten Kriterien (1. Situations- und erfahrungsbezogen; 2. evangeliumsgemäß; 3. prozesshaft-begleitend; 4. positiv und verbindlich; 5. partizipatorisch; 6. Inhalte und Methoden – in Personen verkörpert) erfüllen muss. In diesem Zusammenhang plädierte Kiefer für eine Erwachsenenkatechese als zielgerichteten und strukturierten Kommunikations- und Lernprozess, der sich durch eine Elementarisierung im Sinne einer „erwachsenengerechten, milieuadäquaten, situationsgerechten und exemplarischen Auswahl von Inhalten unseres christlichen Glaubens [auszeichnet], die die Katechumenen in die Lage versetzt, selbstständig und selbsttätig in den Glauben hineinzuwachsen“. Besonders in einer Erwachsenenkatechese, die die Person in ihrer Ganzheit anspricht, sieht Kiefer eine „viel eindeutigere missionarische Ausrichtung“, die so auch einen Beitrag zur Kirchen- und Gemeindeentwicklung leisten kann.
Abschließend forderte Kiefer klare Richtungsentscheidungen, die es den hauptamtlichen Seelsorgern und den „Ehrenamtlichen ,erlauben’, die Fixierung auf die Kinder und Jugendliche aufzugeben“ und eine ganzheitlich orientierte Erwachsenenkatechese als Priorität setzt. In diesem Zusammenhang sind ehrenamtliche Katecheten selbstverständlich in ihrer Gesprächskompetenz in Sachen des Glaubens zu qualifizieren. Insgesamt könnten die bisherigen erwachsenenkatechetischen Aufbrüche positiv wahrgenommen werden. Letztlich müsste „Ziel aller katechetischen Maßnahmen deshalb das Entstehen vieler sich selbst evangelisierender Gemeinden sein.“

Dr. Thomas Kiefer


Ein zweiter Teil der Fachtagung beschäftigte sich mit verschiedenen Formen und Beispielen von Erwachsenenkatechese. P. Prof. Dr. Hubert Lenz SAC, Vallendar, präsentierte dabei Erfahrungen, die in Glaubenskursen gesammelt werden können. Diese haben das Ziel, Menschen das Hineinwachsen in eine persönliche, erwachsenengemäße Beziehung zu Jesus Christus zu ermöglichen. Prof. Dr. Albert Biesinger, Tübingen, beschrieb unter der Überschrift der Familienkatechese die Reflexion und Praxis des eigenen  Glaubens, biographisch als Erwachsene in der Erziehungsphase (Erwachsenenkatechese) und die Kompetenz zur Glaubenskommunikation mit dem anvertrauten Kind im Sinne des Taufversprechens und der Erziehungsverantwortung („Eltern-“Katechese). Dr. Peter Hundertmark, Speyer, charakterisierte Exerzitien im Alltag als ein Standardinstrument in der deutschen Pastoral, das sowohl eine Zeit geistlicher Vertiefung als auch ein Baustein auf einem individuellen geistlichen Reifungsweg sein kann. Ausgehend von dem Lectio-Divina-Projekt des Bibelwerks umriss PD Dr. Egbert Ballhorn, Hildesheim, die Bedeutung der Schrift und entwarf ein Bild vom Wort Gottes als dem eigentlichen Katecheten. Michael Hänsch, Düsseldorf, schilderte die Erfahrungen der Missionale Düsseldorf 2009, und dabei u.a. das lohnenswerte Unterfangen, etwas mehr zu riskieren, als man sich bisher zugetraut hatte.



Regens Dr. Christian Hennecke, Hildesheim, ging im Anschluss auf „Sozialformen der Erwachsenenkatechese“ ein. Als grundlegend erschien ihm dabei, dass Erfahrung des Kircheseins und Evangelisierung, verstanden als Wachstum des Glaubens, engstens miteinander verknüpft sind. Im Kontext der Frage nach Sozialformen der Erwachsenenkatechese erscheint so sowohl die Möglichkeit gelingender Katechese als auch die Zielrichtung der Katechese verknüpft „mit der Frage nach der ,Kirchlichkeit’, verstanden als die ,Orthaftigkeit’ der Katechese in einem Raum gelebter Kirche.“ Aus eben diesem Grunde bedingen und provozieren Erneuerung der Katechese und Erneuerung der kirchlichen Communio einander. Umso problematischer erscheint es daher, dass die Erwachsenenkatechese bisweilen noch immer „im Kontext virtueller volkskirchlicher Sozialformen“ inszeniert werde. Das Festhalten an dieser sich seit einigen Jahrzehnten im Verschwinden begriffenen und damit „imaginären ...  Situation“  und der an dieser orientierten katechetischen Vorgänge, wirkt wie die „Professionalisierung eines Geschehens, das eigentlich allen Getauften aufgetragen ist.“ Im Anschluss an G. Routhier benannte Hennecke diese Entwicklung als „in-vitro-Katechese“, d.h. als eine kontextlose Katechese, deren kirchlicher Mutterboden künstlich inszeniert werden müsse. Vielmehr müsse das Anerkennen der Auflösung volkskirchlicher Gefüge dazu führen, dass alle Christen zu solchen werden, „die in einem persönlichen Glaubensprozess stehen und bleibend stehen.“ Ansonsten würden die verschiedenen Impulse und Initiativen, auch im Bereich der Erwachsenenkatechese zu „spirituellen Herzschrittmachern“ führen, die allerdings als „strukturelle Randsiedler“ das Gruppenhafte nicht überwinden. Es geht also nicht um eine neue Methode, sondern darum, „einen Kirchenentwicklungsprozess als geistlichen und visionären Prozess in den Blick zu nehmen.“ Dies wurde durch einen Blick auf die „jesuanische Katechese“ und Gemeindebildungsprozesse der frühen Kirche vertieft. So sollte jegliche Katechese in kirchliche Lebensprozesse der Liturgie, Verkündigung und Diakonie eingebettet sein. Doch eben dort erkennt Hennecke die „Grundschwäche deutscher Kirchenentwicklung“: eine „communiale Perspektive des Kircheseins als lebendige Erfahrung“ wurde bisher nicht entwickelt; gerade die Umsetzung des Katechumenats als grundlegendes Paradigma der Erwachsenkatechese ist dafür ein Beispiel. Insgesamt gehe es hier um ein Herauslösen des Zusammenhangs von Kirchesein und Glauben „aus seiner Reduzierung auf Individuum und kirchlicher Institution“. Helfen kann dabei ein Blick auf die charismatischen Aufbrüche in den neuen geistlichen Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen, die es realiter erleben lassen, dass „neue Weisen des Christwerdens auch zu neuen Wegen des Kircheseins führen“. In solcher Perspektive könnte die Pfarrei als kanonisch-sakramentaler Raum des Kircheseins „eine buntere Vielfalt unterschiedlicher Gestalten des Kirchseins“ bergen, könnte eine „netzwerkartige Vielfalt unterschiedlicher Gemeindegestalten in das pfarrliche Ganze einbringen“, könnte „mixed economy“ sein. Umso mehr stellt sich die Frage nach der Zielperspektive. Als zentral erschien es Hennecke, ein „kirchliches Subjekt“ zu konstituieren, eine „Gemeinschaft der Glaubenden als lebendiges Gefüge Getaufter“. Dies benötige notwendigerweise eine Selbstevangelisierung und eine „Vergewisserung der umbrechenden Glaubenssituation und der Ermöglichung erster Schritte“, ohne die sich die Gefahr eines erschöpfenden Aktionismus auftun würde. Es müsste darum gehen, die Erwachsenenkatechese nicht als einen Prozess „neben“ dem Leben der Gemeinde, sondern „als einen gemeinsamen Weg aller Christen und derer, die es werden wollen“, zu begreifen. So wird Erwachsenenkatechese zu einem Gradmesser einer neuen Kultur der Kirchenentwicklung.

                                                     Regens Dr. Christian Hennecke

Auf die Bedeutung der Erwachsenenkatechese für die Entwicklung der Kirche verwies der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Katechese und Mission“ der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg): „Die Pastoral in unseren Diözesen steht vor einem Umbruch. Wenn sich die Strukturen unserer Pfarreien verändern, stellt sich die Frage, wie Kirche vor Ort präsent sein kann. Kirche wird dort lebendig, wo die Gläubigen ein Bewusstsein für ihre Berufung entwickeln. Das Sichtbarmachen der Kirche beschränkt sich aber nicht auf Priester oder Hauptberufliche. Alle Christen, die für ihren Glauben Zeugnis ablegen, ob als Katechetinnen und Katecheten oder durch ihr diakonisches Engagement, geben dem Glauben und der Kirche ein Gesicht. Deshalb brauchen wir Angebote, die dazu beitragen, dass alle Getauften ihren Glauben neu entdecken und verstehen.“ Erwachsenenkatechese, so Bischof Tebartz-van Elst, brauche einen Sitz im Leben. „Wenn sie nicht im Abstrakten verbleiben will, muss sie mehr sein als ein temporäres Bildungsangebot.“ Ausdrücklich würdigte Tebartz-van Elst das Engagement von Katechetinnen und Katecheten, die keine Lückenbüßer seien, „die nur deswegen eine Rolle spielen, weil wir einen Mangel an Priestern und Hauptberuflichen haben. Sie stellen sich in exemplarischer Weise dem allgemeinen Auftrag aller Gläubigen zur Weitergabe des Glaubens und der Verkündigung des Evangeliums.“


Vgl. auch: DBK-Pressemeldung; 09.02.2012 - Nr. 020 aus der Teile dieses Berichts entnommen sind.


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