2011/17
Grenzgänge zwischen Esoterik und Christentum
Tagung der kath. Weltanschauungsreferenten in Fulda
Man kann eine Esoterisierung unserer Gesellschaft beobachten: Esoterisch-alternativmedizinische Dienstleister schießen wie die Pilze aus dem Boden, esoterische Denkmodelle und Sprachmuster sind auch außerhalb der eigentlichen Szene gang und gäbe – und selbst in der kirchlichen Erwachsenenbildung gibt es Angebote, die eher esoterisch als katholisch anmuten.
Den Grenzgängen zwischen Esoterik und Christentum widmete sich die Herbsttagung 2011 der kath. Weltanschauungsbeauftragten, die im Kloster Frauenberg in Fulda vom 26. bis 28. September stattfand.
Hauptreferent war der emeritierte Philosophieprofessor Dr. Edmund Runggaldier SJ. Er zeigte auf, dass typische Vorstellungen, die wir heute im esoterischen Denksystem finden, schon in der Antike – etwa im Platonismus oder im Corpus Hermeticum – angelegt waren. Die Auseinandersetzung damit von christlicher Warte her ist nicht neu, sondern bereits in der mittelalterlichen Theologie zu beobachten. Somit steht das heutige Ringen um ein adäquates Verständnis der Welt und des Seins zwischen Christentum und Esoterik in einem größeren geschichtlichen Rahmen.
Diese philosophischen Ausführungen wurden auf der Tagung geerdet durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Grenzgängern, die beispielhaft vorgestellt wurden. Auch kam ein erfolgreicher Geschäftsmann aus dem Esoterikbereich zum Gespräch mit den Teilnehmern.
Zum Abschluss der Tagung stellte der Theologe Dr. Karl-Heinz Steinmetz ein Projekt der Erzdiözese Wien vor: xp-erience.at bietet ganz gezielt kirchenfernen, aber esoterikaffinen Menschen Veranstaltungen an, die diesen Schätze aus der christlichen Tradition schmackhaft machen sollen. So gab es z. B. an einem passenden Ort – einem alten Kloster – eine Vortragsreihe zu christlichen Mystikern, und ein anderer Kurs griff auf mittelalterliche, christliche geprägte Gesundheitslehren zurück. Ein spannendes Projekt, dessen bleibender Ertrag freilich erst noch zu eruieren ist.
Fazit: Die Grenzen zwischen Esoterik und Christentum sind durchlässiger und unbestimmter, als viele denken – und umso mehr ist der heutige Esoterikboom eine Herausforderung, der sich die Kirche stellen muss.


