2011/16
Papst spricht im Konzerthaus Freiburg über das missionarische Zeugnis der Kirche
Vor rund 1400 Teilnehmern aus allen Bereichen des kirchlichen Lebens hat Papst Benedikt zum Abschluss seiner Deutschlandreise über den grundlegenden Sendungsauftrag der Kirche in der Gegenwart reflektiert. Es sei Änderungsbedarf vorhanden in der Kirche, die sich nicht nur als Hierarchie verstehen dürfe. „Kirche sind wir alle, wir, die Getauften.“ Fern davon, sich lediglich äußerlich einen neuen Anstrich zu geben, müssten sich die Kirche und ihre Getauften ihrer Sendung immer je neu vergewissern. Es gehe so darum, immer „in Bewegung“ zu bleiben. Kirche dürfe sich nicht zu sehr als Institution in der „Welt“ einrichten, sondern solle eine gewisse Distanz einnehmen, die ihr erst die Offenheit erlaube, sich „den Sorgen der Welt zu öffnen“ und „sich ihnen auszuliefern“. Der Papst gab demnach auch allen Versuchen der Kirche, als Institution Menschen für eigene Machtansprüche zu gewinnen oder durch eine „neue Taktik“ Geltungsbedürfnisse zu befriedigen, den Abschied. Die nüchterne totale Redlichkeit sei von scheinbarem Glauben zu unterscheiden, der sich oft lediglich in Konvention und Gewohnheit erschöpfe. Benedikt XVI. ermutigte die Gläubigen, „nichts von der Wahrheit des Heute“ auszuklammern oder zu verdrängen. Säkularisierungsprozesse führten immer auch zur Läuterung und zur inneren Reform der Kirche. Entweltlichung heißt für den Papst nicht, sich von der Welt zurückzuziehen, sondern vielmehr in einer freien, von materiellen und politischen Interessen gereinigten Form sich der Welt zu öffnen, so wie Gott sich liebend in Jesus Christus der Welt zuwendet. Das Tun der Kirche und ihrer Gläubigen entspreche ihrer Sendung, wenn es aus einer tiefen Gottesbeziehung heraus geschehe. Der Papst ermutigte seine Zuhörer, durch eine neue Freiheit tiefer in die Sendung der Jünger und der Kirche selbst hineinzuwachsen und das missionarische Zeugnis des Evangeliums im Sinne der Zuwendung zum Mitmenschen aus der Gottesbeziehung heraus deutlicher zu artikulieren.