Nachrichtenarchiv
2010/16
Vatikan will neue sprachliche Wege der Verkündigung ausprobieren
Der Präsident des päpstlichen Rates für die Kultur, Erzbischof Gianfranco Ravasi, hat sich für neue sprachliche Wege für die Kommunikation des Evangeliums ausgesprochen. Die herkömmliche Sprache der Kirche sei in vielen Fällen nach innen und erst recht nach außen oft nicht verständlich. Nach Ravasis Meinung ist es ein wichtiges Anliegen, die Botschaft des Evangeliums so auszusagen, dass sie auf neue Horizonte hin verständlich sei. Mit der Ankündigung einer Tagung mit Kommunikationsfachleuten aus verschiedenen Bereichen will der Erzbischof die Sprache der Verkündigung überprüfen.
Dies stellt auch für die Pastoral der Kirche in Deutschland eine Herausforderung dar. Die Erfahrung Gottes kann sicher nicht erschöpfend und adäquat in Sprache gefasst werden. Sie wird metaphorische Sprache bleiben. Gleichzeitig entsteht die Aufgabe der "Übersetzung" in die Sprache des Anderen.
Die jesuitischen Missionare des 16. Jahrhunderts erlernten zunächst die chinesische Sprache und Kultur, um die christliche Botschaft adäquat auszusagen. Für Christen in Deutschland heute ist es eine Aufgabe, die "Sprache" der Menschen in der sie umgebenden modernen Kultur zu erlernen, ihre Grammatik, ihr Vokabular, ihre Denk- und Sprachbilder. Nur so kann es gelingen, das Evangelium, das nicht nur in einer bestimmten "Sprache" zu fassen ist, in jeweils neuen Sprachgestalten zu inkulturieren und so neu auszusagen. Voraussetzung ist, sich vorbehaltlos auf die Sprache der Menschen von heute einzulassen und die Frohe Botschaft von der Gegenwart Gottes mit anderen je neu zu "buchstabieren".
Die Dezemberausgabe der Online-Zeitschrift euangel der Arbeitsstelle für missionarische Pastoral beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema: "Evangelium und Sprache".
Zur Berichterstattung von Radio Vatikan über dieses Thema mehr...


