Nachrichtenarchiv
2010/14
KAMP bei der 55. Jahrestagung der Militärseelsorge in Berlin
Erfurt/Berlin - 19.10.2010
Mit Fragen der Glaubensverkündigung in der Moderne befassten sich die katholischen Seelsorgerinnen und Seelsorgerinnen bei der Bundeswehr auf Einladung des Katholischen Militärbischofsamts in Berlin. Gerade Militärseelsorger haben durch den lebenskundlichen Unterricht, die Gestaltung von Standortgottesdiensten und durch ihre pastorale Arbeit an den Standorten und bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr viele Begegnungen mit Menschen, die nicht getauft sind.
Hans Joas, der Leiter des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt, plädierte für einen differenzierten Blick auf Religion im Europa der Gegenwart. Das Bild eines homogenen christlichen Europa sei ein Ideal, das als Bild entstanden sei, um das "christliche Abendland" zu qualifizieren. Die europäische Säkularisierung sei keine unmittelbare Folge von Modernisierungsprozessen. So zeige sich am Beispiel USA, dass ein Land durchaus Modernisierung vorantreiben und dabei immer religiöser werden könne. Joas' Einschätzung nach sei die europäische Säkularisierung nicht irreversibel. Viele Intellektuelle fragten neu nach Religion und nach der Geschichte des Christentums als Teil ihrer Kultur und Bildung. Die Kirchen hätten in der derzeitigen Situation durchaus Chancen der Öffnung und Revitalisierung, wenn sie sich auf den Dialog mit den religionsproduktiven Kräften der Gesellschaft einließen. Diese Chance könne aber auch ungenutzt bleiben, so Joas. In jedem Falle müsse man sich darüber verständigen, welche Bedeutungsgehalte man den vieldeutigen Begriffen "Säkularisierung", "Modernisierung" und "Religion" beimesse.
Hubertus Schönemann, Leiter der Arbeitsstelle KAMP, machte im Workshop deutlich, dass Evangelisierung auch immer eine Selbstevangelisierung mit sich führe. Gott sei in dieser Zeit und in dieser Welt bereits an Werk. Die Kirche und ihre Gläubigen hätten die Aufgabe, durch ihr Zeugnis im Dialog mit anderen diese Wirklichkeit Gottes zu heben, sozusagen "Hebammendienste" zu leisten. "Das Evangelium ist kontextuell in Auseinandersetzung mit der je realen Geschichte und Welt für sich und mit anderen immer wieder neu zu buchstabieren", so Schönemann. So nehme die Kirche ihren Auftrag wahr, Zeugin des angebrochenen Gottesreiches zu sein.
Hans-Joachim Höhn, Theologieprofessor an der Universität Köln, lotete die Räume für neue Formen von Verkündigung angesichts neuer Fragen nach Religion in der postsäkularen Gesellschaft aus.
(Foto: Pressestelle Militärbischofsamt)


